Wie Gott aus Minus ein großes PLUS macht


Der indische Staatsmann Gandhi stammte aus einer Hindu-Familie. Mit dem gekreuzigten Jesus konnte er nicht viel anfangen, doch von der Bergpredigt dieses Juden hielt er viel. Nun liess Gandhi in Neu-Delhi einen neuen Hindu-Tempel bauen. Bereits in der Eingangshalle sollte deutlich werden, dass es auch in anderen Religionen ernsthafte religiöse Verehrung gibt. In Stein gemeisselt sieht man dort den lehrenden Konfuzius, den in sich ruhenden Buddha und auch Jesus Christus – allerdings nicht als Bergprediger, sondern am Kreuz hängend. Lehrende, Wunder wirkende Heilige gibt es in allen Religionen. Aber für Jesus Christus ist entscheidend, dass er der Gekreuzigte ist.

 

Das Wort vom Kreuz ist die gute Nachricht des Evangeliums: Jesus Christus, der Sohn Gottes, hat alles getan, um uns Menschen den Weg zu Gott freizumachen. Was für ein Ende nimmt dieser Mann, der anderen nur geholfen hat! Gibt es einen schmachvolleren Tod, als an ein Kreuz genagelt zu werden? Doch nirgends in der Menschheitsgeschichte wird so deutlich, dass Gott aus dem grössten Minus eines Lebens ein noch viel grösseres Plus machen kann. Wo alles am Ende erscheint, entfaltet Gott seine Kraft. Was vordergründig wie die grösste Niederlage aussieht, erweist sich als noch viel grösserer Sieg. So wird der Schandpfahl zum Zeichen des Sieges!

«Das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die wir gerettet werden, ist es Gottes Kraft.» 1. Korinther 1,18

Das Wort vom Kreuz ist Gottes Kraft. Die Kraft liegt dabei nicht im Kreuz als Objekt, sondern in der Person, die daran hängt. Das Holz war lediglich ein Mittel zur Hinrichtung. Deshalb machen wir nicht – wie leider so oft in der Kirchengeschichte geschehen – das Mittel zum Mittelpunkt, sondern lassen Christus, den Gekreuzigten, im Zentrum. Jesus allein – und ihn als gekreuzigt.

Paulus setzte alles daran, ihn, den Gekreuzigten, den Menschen vorzustellen. Aber damals wie heute begeistert diese Botschaft nicht die Massen. Ganz im Gegenteil: Theologen reden gegen die Bluttheologie. Eine deutsche Bischöfin wollte das Kreuz durch das freundlichere Symbol der Krippe ersetzen. Aber was nützt uns ein nettes Kind in der Krippe? Weihnachten ohne Ostern beschert uns vielleicht Geschenke, aber keine Erlösung!

«Weihnachten ohne Ostern beschert uns vielleicht Geschenke, aber keine Erlösung!»

Das Wort vom Kreuz ist damals wie heute ein Anstoss. Es ist ein Skandal, weil es nicht zu den menschlichen Gottesbildern passt. Das Kreuz war der Ort der Qual, ein Ort für Kriminelle. Hier wurde der Abschaum der Gesellschaft hingerichtet. Somit ist die Botschaft des gekreuzigten Messias für die Juden ein grosses Ärgernis und für die Griechen eine Lachnummer. Griechen fragen nach Weisheit. Ein Gott, der Mensch wird, der sogar ans Kreuz geht, der sich schlagen und verspotten lässt, ist nach ihrer Vorstellung einfach dumm. Jemand, der sich so entwürdigt, kann nicht Gott sein.

Das Wort vom Kreuz durchkreuzt alle menschlichen Überlegungen. Menschen suchen Weisheit und Verstand – Gott antwortet mit dem Gekreuzigten. Und beantwortet damit alle grossen Fragen des Menschseins.

«Damit wird das Evangelium wirkungslos, die Botschaft kraftlos und wir Menschen bleiben hilflos.»

Das Kreuz, der Gekreuzigte und seine letzten Worte sind so zentral, so elementar, so existenziell, dass die Feinde des Kreuzes – nicht zuletzt der Satan – das grösste Interesse haben, «das Wort vom Kreuz» aus dem Zentrum zu rücken. Damit wird das Evangelium wirkungslos, die Botschaft kraftlos und wir Menschen bleiben hilflos.

Als der russische Schriftsteller Alexander Solschenizyn bei der Verleihung des Nobelpreises für Literatur gefragt wurde, woran der Kommunismus gescheitert sei, gab er eine dreiteilige Antwort: «Der Kommunismus hat keine Antwort auf die Frage nach der Schuld, auf die Frage nach dem Leid und auf die Frage nach dem Tod.» Hierauf gibt der gekreuzigte Christus klare Antworten. Das begeistert mich. Das ist fantastisch!

 

Evangelium als das Wort vom Kreuz ist die Grundlage unseres Glaubens. Es ist Gottes Kraft, die wir täglich brauchen, um diesen Glauben im Alltag zu leben. Deshalb vergeht kein Tag, an dem wir dem Gekreuzigten nicht danken sollten für seine Liebestat auf Golgatha. Die Beschäftigung mit dem Gekreuzigten ist unsere Kraftquelle, denn der Schreiber des Hebräerbriefes sagt: «Betrachtet den, der so grossen Widerspruch von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und den Mut verliert» (Hebr. 12,3). Das Wort vom Kreuz ist Gottes Kraft, die bis in die Ewigkeit wirkt. Menschenkraft hingegen geht ins Leere.

 

Das Wort vom Kreuz ist die Grundlage unserer Gewissheit. Menschen um uns sehnen sich nach Erlösung – lasst uns deshalb von unserem Erlöser reden! Menschen brauchen Hoffnung, deshalb leben wir ihnen die lebendige Hoffnung in Jesus Christus vor. Jesus Christus ist unser Zentrum, er ist der Grund unseres Lebens. Und er ist unser Ziel. In ihm haben wir alles, was wir zum Leben und Sterben brauchen. Niemand ist wie ER! Ob der indische Freiheitskämpfer Gandhi das auch noch erkannt hat? 

 

von Hartmut Jaeger, Jg. 1958, verheiratet, drei Töchter, Lehrer, ehem. Geschäftsführer der christlichen Verlagsgesellschaft Dillenburg, Referent, Herausgeber und Autor.

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